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Andropause vs. Menopause - wenn die Hormone Achterbahn fahren



Während die Menopause mittlerweile ein fester Bestandteil des öffentlichen Gesundheitsdiskurses ist, wird die Andropause oft noch als "Mythos" abgetan oder sogar verschwiegen. Dabei ist das Verständnis der männlichen Hormonumstellung essenziell für die Lebensqualität ab 40+. Zur Menopause habe ich auch schon einige weitere Blogpost geschrieben: 🧠Die Wechseljahre als Start in die (danach) entspannteste Zeit des Lebens😊, 🌋 Sex im Wechsel?, ⚸ Lilith & Sexualität & Human Design-Zyklen


Viele von uns kennen die Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen, die mit der Zeit rund um die Menopause assoziiert werden. Doch während Frauen bzw. Menschen mit Gebärmutter und/oder Eeierstöcken durch ein deutlich markiertes "Stopp-Schild" ihrer Fruchtbarkeit gehen, schleicht sich bei Männern (Menschen mit Hoden) oft ein Prozess ein, der weniger laut, aber ebenso wirkungsvoll ist. Obwohl beide Begriffe das Ende einer Ära beschreiben, sind die biologischen Mechanismen grundverschieden:

Merkmal

Menopause (Frau)

Andropause (Mann)

Hormon

Östrogen & Progesteron

Testosteron

Verlauf

Abrupt (innerhalb weniger Jahre)

Schleichend (ca. 1% Abfall pro Jahr)

Fruchtbarkeit

Endet vollständig

Bleibt meist (eingeschränkt) erhalten

Zeitpunkt

Meist zwischen 45 und 55

Ab ca. 40 Jahren, individuell sehr variabel


Der Begriff Andropause (oft auch als PADAM – Partielles Androgendefizit des alternden Mannes bezeichnet) beschreibt den Rückgang der Androgene, primär des Testosterons.

Im Gegensatz zur Frau gibt es beim Mann keinen biologischen "Knall". Es ist eher wie ein Dimmschalter, der jedes Jahr ein kleines bisschen weiter nach unten gedreht wird.

Woran merkt Mann es?

Da der Prozess so langsam verläuft, schieben viele Männer die Symptome auf Stress im Job oder das allgemeine Älterwerden. Typische Anzeichen sind:

  • Physisch: Nachlassende Muskelmasse, Zunahme von Bauchfett („Viszeralfett“), Schlafstörungen und verminderte Knochendichte.

  • Psychisch: Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit und Konzentrationsschwächen.

  • Libido: Ein spürbarer Rückgang des sexuellen Verlangens und Erektionsstörungen.


Mir ist wichtig hier festzuhalten, dass nicht jeder Mann eine Andropause mit Krankheitswert erlebt.

Während fast jede Frau Symptome der Menopause zeigt, betrifft ein klinisch relevanter Testosteronmangel schätzungsweise nur etwa 20% der Männer über 60.

Es gibt einen Grund, warum die Menopause präsenter ist: Sie ist ein universelles weibliches Schicksal. Die Andropause hingegen ist individuell und stark vom Lebensstil abhängig.

Faktoren, die den Testosteronabfall beschleunigen:

  1. Übergewicht (Fettgewebe wandelt Testosteron in Östrogen um!)

  2. Chronischer Stress (Cortisol ist der Gegenspieler von Testosteron)

  3. Hoher Alkoholkonsum

  4. Mangelnde Bewegung


Was kann Mann tun?

Der Gang zum Urologen oder Endokrinologen ist der erste Schritt, um den freien Testosteronwert im Blut zu bestimmen. Oft helfen schon gezieltes Krafttraining, eine Ernährungsumstellung und Stressmanagement, um den "Dimmer" wieder etwas höher zu stellen. Eine Hormonersatztherapie (HRT) ist beim Mann ebenfalls möglich, sollte aber streng medizinisch überwacht werden.


Die Menopause ist ein biologischer Umbruch, die Andropause ein schleichender Rückzug.

Indem wir die Andropause enttabuisieren, geben wir Männern die Chance, ihre Vitalität nicht als "verloren" zu betrachten, sondern aktiv gegenzusteuern.


Ein Testosteronmangel ist weit mehr als nur eine Frage der Libido. Es geht um die langfristige Wartung des "biologischen Motors".

Ein niedriger Testosteronspiegel bei Männern betrifft genauso den ganzen Körper wie ein niedriger Östrogen-Spiegel bei Frauen. Es kommt zum Domino-Effekt, denn sobald das Testosteron sinkt, löst das im männlichen Körper oft eine Kettenreaktion aus. Man kann sich das Hormon wie einen Generalmanager vorstellen, der in verschiedenen Abteilungen gleichzeitig für Ordnung sorgt. Fällt er aus, herrscht Chaos:


Das "metabolische Syndrom" und das Bauchfett

Testosteron ist ein natürlicher Fettverbrenner. Sinkt der Spiegel, baut der Körper bevorzugt viszerales Fett (das tiefliegende Bauchfett) auf. Das Tückische daran: Dieses Fettgewebe ist hormonell aktiv und produziert das Enzym Aromatase. Die Folge: Dieses Enzym wandelt das ohnehin schon knappe Testosteron in Östrogen um. Es entsteht ein Teufelskreis aus mehr Fett und weniger Testosteron.


Herz-Kreislauf-System

Lange dachte man, Testosteron sei schlecht für das Herz. Heute weiß man: Das Gegenteil ist oft der Fall. Ein chronischer Mangel ist mit einem höheren Risiko für Bluthochdruck und Arterienverkalkung assoziiert. Testosteron hilft dabei, die Gefäße elastisch zu halten.


Knochen und Muskeln (Sarkopenie & Osteoporose)

Was bei Frauen nach der Menopause als Osteoporose-Risiko bekannt ist, trifft auch Männer in der Andropause:

  • Muskelschwund (Sarkopenie): Ohne den anabolen (aufbauenden) Reiz des Testosterons schwindet die Muskelmasse, selbst bei gleichem Training.

  • Knochendichte: Männer verlieren an Knochensubstanz, was das Risiko für Brüche im Alter massiv erhöht – oft unbemerkt, bis es zu spät ist.


Die kognitive Komponente: "Brain Fog"

Viele Männer berichten in der Andropause von einer nachlassenden mentalen Schärfe. Testosteron hat Rezeptoren im Gehirn, die für Fokus, räumliches Denken und das Gedächtnis zuständig sind. Ein Mangel fühlt sich oft an, als würde man ständig durch einen leichten Nebel navigieren.


Wann ist ein Check beim Arzt sinnvoll?

  • Morgendliche Erektionen: Bleiben diese über längere Zeit aus, ist das oft das erste verlässliche Anzeichen für einen hormonellen Umschwung.

  • Unerklärliche Erschöpfung: Wenn man trotz ausreichend Schlaf morgens schon "leer" ist.

  • Stimmungsumschwung: Eine untypische Reizbarkeit oder eine "Altersmelancholie", die man früher nicht kannte.


Wenn wir alle gesund altern und möglichst lange fit bleiben wollen, dann sind regelmäßige Checkups beim Urologen (bzw. der Gynäkolog:in) ein Muss! Es wird leider oft noch behauptet, dass Testosteron-Ersatztherapien (TRT) Prostata-Krebs verursachen. Das ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft veraltet. Ein niedriger Spiegel schützt nicht vor Krebs, und eine Therapie unter ärztlicher Aufsicht ist heute sehr sicher – solange kein bestehender Tumor vorliegt, aber besprich das bitte mit dem Arzt oder der Ärztin deines Vertrauens 🩷


 
 
 

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