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💞Was ist anders an Sex in Langzeit-Beziehungen?



Emily Nagoski hat mit ihrem Buch "Komm wie du willst" das Verständnis für weibliche Sexualität revolutioniert und für alle verständlich aufgeschrieben. Wer es noch nicht gelesen hat, große Empfehlung. Dieses Buch ist ein Muss für alle sexuell aktiven Menschen, nicht nur für jene, die sich als weiblich identifizieren und/oder mit Gebärmutter und/oder Eierstöcken ausgestattet sind! Zu diesem Buch gibt es einen eigenen Blogpost:  😊Wie geht Sex ohne Scham?


In ihrem Nachfolge-Buch "Kommt zusammen" geht es um die Sexualität in Beziehungen. Der Untertitel des Buches lautet "Die Kunst (und Wissenschaft!) sexuell erfüllter Beziehungen So macht Sex in Langzeitbeziehungen immer noch Spaß!". Denn für Emily Nagoski ist Sexualität kein Bonus, sondern einer der zentralen Wege, wie sich Verbundenheit, Freude und emotionale Heilung in einer Beziehung ausdrücken und verstärken können.​


Für sie ist Sex die Quelle von Verbundenheit und der Kontext, in dem sich Paare verletzlich, authentisch und einander zugewandt erleben – das vertieft Bindung und Vertrauen.​

Langfrist erfüllte Paare sprechen weniger über „Funken“ und viel mehr über gemeinsam erlebte Freude, Authentizität und Empathie in ihrer Sexualität.​

Hierbei ist nicht entscheidend, wie oft Paare Sex haben, sondern ob sie den Sex, den sie haben, wirklich mögen und genießen.​ Denn wenn Sex als angenehm, sicher und selbstbestimmt erlebt wird, wirkt er wie ein emotionaler „Nährboden“, der Zuneigung, Humor und Nähe im Alltag stärkt.​


Superwichtig ist hierbei die Kommunikation zwischen den Partnern, denn erfüllte Sexualität entsteht durch offene Kommunikation über Wünsche, Grenzen, Unsicherheiten und Fantasien.​ In solchen Gesprächen co-kreieren Paare ihre eigenen sexuellen Skripte jenseits von Mythen, Normen und Leistungsdruck, was ihre Beziehung flexibler und lebendiger macht.​


Aber es ist natürlich nicht immer alles "Friede, Freude, Eierkuchen". Emily Nagoski betont auch, dass Sex und Beziehung leiden, wenn Stress, Erschöpfung oder alte Verletzungen nicht reguliert und bearbeitet werden, weil das direkt Lust und Erregbarkeit beeinflusst.​

Gleichzeitig kann eine liebevoll gestaltete Sexualität ein Ort von Heilung sein – ein wiederkehrender Zyklus zwischen Verwundung und Heilung, in dem Paare sich gegenseitig Halt geben.​

In langen Beziehungen zeigt sich erfüllte Sexualität als eine der wichtigen Ressourcen, um über Jahre hinweg Nähe, Verspieltheit und gegenseitige Wertschätzung lebendig zu halten.​ Emily Nagoski sieht darin einen Schlüssel, um von Pflicht, Schuld und „Sollte“-Sex zu einer Beziehung zu kommen, in der beide mehr Freiheit, Freude und innere Sicherheit erleben.

In „Kommt zusammen“ formuliert sie im Kern die These, dass erfüllter Sex in Langzeitbeziehungen nichts mit Häufigkeit oder „Libido-Typ“ zu tun hat, sondern damit, ob der Sex, den ein Paar hat, sich gut anfühlt und zu beiden passt.​

Es geht nicht darum, wie oft oder wie sehr jemand Sex „wollen sollte“, sondern ob der erlebte Sex wirklich Freude macht.​

Damit stellt sie Leistungsdruck, Normen zu Häufigkeit und „richtiger“ Lust infrage und verschiebt den Fokus hin zu Wohlbefinden und Genuss.

Nagoski betont auch, dass vieles von dem, was wir über Sex gelernt haben, falsch oder verzerrend ist und Beziehungen eher schadet als hilft.​ Sie kritisiert besonders starre Skripte (z.B. spontane Dauerlust, „richtige“ Technik, fixe Rollen), weil sie Stress, Scham und das Gefühl von „Defekt“ erzeugen.

Sie versteht Sexualität in Langzeitbeziehungen als etwas, das sich über Konflikte, Stress, Lebensphasen und Kontext ständig mitentwickelt.​

„Guter“ Sex ist daher Ergebnis von gemeinsamer Anpassung, Kommunikation und der Fähigkeit, den emotionalen Grundriss der Beziehung zu kennen und aktiv zu gestalten.​

Eine wesentliche These von Emily Nagoski ist, dass Begehren kontextsensitiv ist – Stress, Müdigkeit, Rollenerwartungen und Körperbild wirken direkt auf Lust und Erregbarkeit.​ Entlastung, Stressregulation und ein freundlicherer Umgang mit dem eigenen Körper sind deshalb Kernbaustellen erfüllter Sexualität, nicht „mehr Technik“. Sie will Leser:innen von Erwartungen, Verpflichtungen und Druck befreien, die mit Sex verknüpft sind, und lädt dazu ein, Intimität nach eigenen Regeln zu gestalten.​ Dazu gehört, geschlechtsspezifische Vorstellungen („wie Sex sein sollte“) zu hinterfragen und ein Bild von Sexualität zu entwickeln, das Vielfalt, Zustimmung und beidseitige Freude in den Vordergrund stellt.

„Pleasure is the measure“ - die Qualität deines Sexuallebens misst sich daran, wie gut es sich für dich anfühlt – nicht an Häufigkeit, Orgasmuszahl oder daran, wie „heiß“ oder „abenteuerlich“ der Sex aussieht.​

Was genau ist mit „Measure“ gemeint?

„Measure“ ist der Maßstab für sexuelle Gesundheit: Entscheidend ist, ob du den Sex, den du hast, wirklich magst, ob du dich sicher, respektiert, frei und lebendig fühlst.​ Dinge wie Orgasmusgarantie, Anzahl der Stellungen oder wie oft du Sex hast, sind dabei nachrangig; sie zählen nur, soweit sie zu mehr Freude beitragen und nicht zu Druck oder Scham.​

Nagoski grenzt Pleasure explizit von „Desire“ ab: Paare mit stabil guter Sexualität reden weniger über Verlangen und Funken, sondern darüber, dass sie den Sex, den sie haben, genießen.​

Studien, auf die sie sich bezieht, zeigen, dass Häufigkeit von Sex keine verlässliche Vorhersage für Zufriedenheit ist – Menschen können selten Sex haben und sehr zufrieden sein oder umgekehrt.​

Sie beschreibt Faktoren, die Lust/Genuss erhöhen: körperlich-seelisches Wohlbefinden, vertrauensvolle Freundschaft mit der Partnerperson, ein stimmiger Rahmen (Setting), überschaubarer Stress und die Freiheit zu spielerischer Exploration.​ Zentral ist dabei, dass Bremsen (Stress, Scham, Angst, Leistungsdruck) gelöst und Bedingungen geschaffen werden, in denen der eigene Körper sich sicher und neugierig fühlen kann.​ Ihr Dual-Control-Model (dem Zusammenspiel von einem „Beschleuniger“ (Gaspedal) und mehreren „Bremsen“ im Gehirn, die gemeinsam bestimmen, ob sexuelle Erregung spürbar wird oder nicht) beschreibt sie ausführlich in ihrem Buch "Komm wie du willst". Dazu gibts auch einen Blogpost von mir: 😊Wie geht Sex ohne Scham?


„Pleasure is the measure“ ist auch ein Gegenentwurf zu Pflichtsex und „human giver“-Skripten, bei denen vor allem Frauen sich moralisch verpflichtet fühlen, dem anderen zuliebe Sex zu haben.​ Wenn Genuss der Maßstab ist, wird Zustimmung mehr als ein „Ja“: Sie umfasst, dass der eigene Körper wirklich dabei sein darf und niemand sich für die Bedürfnisbefriedigung anderer „aufopfern“ muss.

Nagoski grenzt Pleasure explizit von einer Orgasmusorientierung ab, indem sie sagt: Maßstab für ein gutes Sexualleben ist, wie gut es sich anfühlt – nicht, ob und wie „perfekt“ ein Orgasmus passiert.​

Orgasmusorientierung bedeutet, Sex als zielgerichteten Akt zu sehen, bei dem der Orgasmus das Haupt- oder Endziel ist und alles andere nur „Vorspiel“ oder Mittel zum Zweck.​ Das erzeugt Leistungsdruck, Vergleich („habe ich genug / richtig / oft?“) und lenkt die Aufmerksamkeit weg vom gegenwärtigen Erleben hin zu einem Ergebnis.

Pleasure ist der gesamte subjektive Genuss: Sicherheit, Verbundenheit, Verspieltheit, Körperwohlgefühl, emotionale Nähe und Sinnlichkeit – auch ohne Orgasmus.

Orgasmus kann Teil von Pleasure sein, aber er ist kein Pflichtkriterium; Sex ohne Orgasmus kann sehr erfüllend sein, und Sex mit Orgasmus kann leer oder belastend sein, wenn er unter Druck entsteht.​

In der Praxis können sich Paare Fragen stellen wie: „Mögen wir den Sex, den wir haben?“, statt „Warum kommen wir nicht (genug)?“ oder „Wie steigern wir unsere Orgasmusquote?“. Dadurch verschiebt sich der Fokus von Kontrolle und Performance hin zu Neugier und Co-Kreation! Denn entscheidend ist, welche Berührung, welche Dynamik, welche Rituale sich wirklich gut und stimmig anfühlen – unabhängig vom „Ergebnis“❤️‍🔥

 
 
 

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